20.11.2016 Ein deutsches Requiem von J. Brahms

Klangrausch als Trost für
die Lebenden
„Ein deutsches Requiem“ von
Johannes Brahms in der
Schwelmer Christuskirche

Von Veronika Pantel

Schwelm. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen
getröstet werden“ - schon im ruhigen ersten Satz des
Deutschen Requiems klingt an, wie der junge Brahms sein
Werk angelegt hatte: Als Trost für die Lebenden in der Zeit
der Trauer. Kantorei und Jugendkantorei der Christuskirche,
das Ristenpart-Orchester und die Solisten Sylvia Koke (Sopran)
und Thomas Laske (Bariton) boten unter der Leitung von
Sabine Horstmann eine überzeugende Darbietung des
großen Werkes.

Intensive Probenarbeit
Die Kirchenmusikdirektorin hielt den großen Klangapparat
bestens zusammen, legte Wert auf ansprechende Dynamik,
forderte die Gestaltung vom schmeichelnden Pianissimo
bis zum brausenden Fortissimo - je nach Deutung der
Textstellen, die Brahms aus Bibel, Psalmen, Evangelien
und Apostelbriefen gewählt hatte. Der große Chor, in
jedem der Sätze maßgeblich beteiligt, folgte dem
Dirigat, glänzte mit sicheren Einsätzen und Schlüssen
und überzeugte mit sorgfältiger Verfolgung der vokalen
Linien. Das erfordert intensive Probenarbeit, denn die
komplexen kontrapunktischen Fugen sind eine große
Herausforderung für Choristen. Zumal das Orchester
den Chor kaum begleitet, sondern oft eigene Stimmen
verfolgt oder dem Chor Antworten liefert und musikalische
Gedanken weiterspinnt. Sehr eindringlich gelang der zweite
Satz mit seinem hart segmentierten, an einen wuchtigen
Trauermarsch erinnernden „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“.

Hochdramatisch
Im dritten sang Bariton Thomas Laske, vielen Besuchern
von seiner Zeit an der Wuppertaler Oper und als gern
gehörter Lied- und Oratoriensänger bekannt, mit seiner
beweglichen und volumenreichen Stimme im Wechsel mit
dem Chor die zunehmend eindringlicher formulierte Frage „Nun Herr,
wes soll ich mich trösten?“ Schlicht, fast idyllisch die Antwort,
die die „lieblichen Wohnungen“ des Herrn beschreibt. Der Sopranistin
oblagen ebenfalls Klänge des Trostes. Sylvia Koke sang „Ihr habt
nun Traurigkeit“ , anfangs noch etwas fest in den Spitzentönen,
begleitet vom sanft unterlegten „Ich will euch trösten, wie einen
seine Mutter tröstet“ des Chores. Hochdramatisch kommt
„Denn wir haben hier keine bleibende Statt“ daher. Brahms
entwirft seine Vision des „Dies irae“ – ein jüngstes Gericht
zwar mit Pauken und Posaunen, dessen Schrecken aber
dem Triumph der Auferstehung weicht: „Herr du bist würdig“
intoniert der Chor seine mächtige Fuge. Endlich der
freundliche Ausklang, der verklärend zur tröstlichen
Atmosphäre des ersten Satzes zurück weist. Stehend
spendete das Auditorium in der voll besetzten Kirche Applaus:
Es war der Dank für eine unter die Haut gehende musikalische
Aufführung an diesem Totensonntag.

Quelle: WR, 22.11.2016


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