15.03. 2015 Matthäus-Passion von J. S. Bach

Konzert


H O C H D R A M A T I S C H E   M A T T H Ä U S - P A S S I O N 

17.03.2015 | 06:00 Uhr

Schwelm. In den großen Nachbarstädten suchte man in den letzten Jahren vergebens nach ihr: Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ gilt vielen Kirchenmusikern als zu aufwändig, zu schwer, zu teuer. Kirchenmusikdirektorin Sabine Horstmann wagte sich an die Aufführung, obwohl: „So ein Konzert mit vielen professionellen Musi-kern und Solisten kann leicht zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro kosten.“

Dass sich der Aufwand lohnt und die Kreisstadt um ein weiteres musikalisches Highlight bereichert, zeigt die durchweg beglückende Leistung aller Beteiligten und verdient stehend gespendeten Applaus für ein dreistündiges, bereicherndes Chorkonzert in der Christuskirche.
Aufwändige Inszenierung

Ihre Chöre hat Sabine Horstmann bestens präpariert: Sogar Kinderchor und Kinderkantorei, die im ersten Teil mit dabei sind, erfreuen mit ihren hellen und frischen Stimmen, etwa im schlichten Passionslied „O Lamm Gottes“ des imposanten Eingangschores und in fünf von sechs Chorälen. Jugendkantorei, Kantorei der Christuskirche und Capella Vocale schaffen mit fast hundert Stimmen machtvollen Chorklang. Ob in den trauernden, vierstimmigen Chorälen – häufig erklingt die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“, jeweils in anderer Tonart – oder in den auf-wühlenden fugierten Rufen von Volksmenge oder Hohepriestern, den Turbae-Chören: Immer kennzeichnen sichere Stimmenbeherrschung, deutliche Aussprache, präzise Einsätze und Schlüsse und saubere Intonation herausragende Chor-Qualitäten. Auch in Passagen, die auf Doppelchörigkeit angelegt sind, behaupten sich die Chorsänger zuverlässig.

Die biblische Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi kommt in fast opernhaftem Gewand, als Drama ohne Bühne daher - ein Grund, warum Bach diese Passion in seiner Zeit nicht häufig auf-führen durfte. Träger der Handlung sind die Rezitative des Evangelisten. Ein Glücksgriff ist Sabine Horstmann mit der Verpflichtung von Cornel Frey für diese tragende Rolle gelungen. Mit bezwingender Textdeutlichkeit singt der Tenor, mühelos in den Höhen und mit fast metallisch klarer Stimme und interpretiert mit treffender Dramatik - oftmals nur vom Continuo unter der sicheren Führung von Ulrich Isfort an der kleinen Chor-Orgel begleitet.

Auch Thomas Laske, dem die Jesus-Worte obliegen, intoniert mit volumenreicher Stimme und würdigem Ausdruck. Patrick Ruyters singt die Bass-Arien und gibt auch Pilatus und Petrus seine Stimme. Obwohl Sabine Horstmann ihr Dirigat auf Sicherheit anlegt, ist es für Ruyters nicht einfach, die großen musikalischen Bögen spannungsvoll zu gestalten.

Sopranistin Sylvia Koke überzeugt mit Klangschönheit und innerer Beteiligung in ihren Arien, vernachlässigt aber hin und wieder die deutliche Aussprache. Altistin Alison Browner singt ihre romantisch angehauchte Arie „Erbarme dich“ ergreifend schön, von feinem Violin-Solo begleitet.

Sehr inspiriert klingen diese Soli der Instrumentalisten an Oboe, Flöte, Violinen und Cello als Arien-Begleitung. Das große Ristenpart-Orchester begleitet engagiert und spürt barockem Gestus häufig nach. Mit einem fast zärtlichen Abschied des Chores „Mein Jesu, gute Nacht“ und dem klangvollen, weichen Trauergesang „Wir setzen uns mit Tränen nieder“, vom Orchester mit schmerzlichen Dissonanzen unterlegt, endet ein Musikerlebnis, das lange nachwirken wird.

Veronika Pantel



Quelle:
http://www.derwesten.de/staedte/schwelm/hochdramatische-matthaeus-passion-id10464177.html


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