14.12.2014 Konzert "Südamerikanische Weihnacht"

Bild: Bernd Richter

S O   K L I N G T   W E I H N A C H T E N   I N   S Ü D A M E R I K A 

16.12.2014 | 07:00 Uhr

Schwelm. In Deutschland verbinden wir klassische Weihnachtsmusik mit traditionellen Chorälen, Kinderliedern oder vielleicht auch dem Bach’schen Weihnachtsoratorium, wir denken an strahlende, feierliche Bläserklänge oder sanfte, getragene Streichmusik, Flöten, Schellenklänge und so weiter. In Südamerika feiert man dagegen bei sommerlichen Temperaturen mit etwas anderen Akzenten. Dass dieses latein-amerikanische Gefühl sich auf faszinierende Weise mit der Weihnachtstradition verbindet, beweist die berühmte „Misa Criolla“ von Ariel Ramírez, die am Abend des 3. Advent in der voll besetzten Christuskirche von Jugendkantorei und Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Sabine Horstmann aufgeführt wurde.

Passend zu diesem an musikalischen Farben reichen Werk waren die Sängerinnen und Sänger bunt gekleidet, die Apsis der Kirche farbig angestrahlt.

Kölner Zanate-Trio begleitet Chöre

Ramírez komponierte die Messe zwischen 1963 und 1964. Sie stellt eine eindrucksvolle Verknüpfung von eigenen Melodien des Komponisten und der traditionellen argentinischen Volksmusik mit ihren charakteristischen Rhythmen dar. Begleitet wurden die Chöre der Christuskirche vom Kölner Zanate-Trio, das sich auf die Interpretation latein-amerikanischer Musik spezialisiert hat. Und dabei erklangen Instrumente, die man nicht jeden Tag hört, die aber das südamerikanische Gefühl besser transportieren als ihre europäischen Verwandten: Pepe Zamorano spielte unter anderem eine Charango, eine kleine fünfsaitige Gitarre, und die 4-saitige Cuatro. Uli Besler gab mit der Gitarre oder Tiple, einer kolumbianischen Gitarrenart, den charakteristischen Rhythmus eines Satzes vor und wurde dabei von Resi Brademann, die verschiedene Schlag- und Perkussionsinstrumente spielte, tatkräftig unterstützt. Hendrik Weiß am Flügel konnte leider an Lautstärke nicht immer gut durchkommen, gab dem Chor aber eine sichere harmonische Stütze. Getragen von diesem sicheren rhythmisch-harmonischen Fundament nahm der Chor die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise nach Südamerika.

Das Kyrie schien von weit her zu beginnen. Der Chor produzierte einen intensiven, gesummten Klangteppich, auf den der Tenor Wolfram Wittekind sein eindringliches Flehen um Erbarmen intonierte – im getragenen Anden-Rhythmus, der baguala vidala. Im Gloria ging dann im tänzerischen carnavalito erstmals die Post ab. Im Wechselgesang zwischen Chor und Tenor konnten nicht alle Sängerinnen und Sänger ruhig stehen bleiben und auch im Publikum wurde durchaus mitgewippt. Trotz des schnellen Tempos trug der Chor souverän den umfangreichen spanischen Text vor, vor allem der Jugendkantorei merkte man kaum Unsicherheiten an. Im Credo kam ein neuer hartnäckiger Rhythmus hinzu, der chacarera truncata. In diesem Messteil waren vor allem die zahlenmäßig wenigen Männerstimmen gefordert, die aber aufgrund der Choraufstellung gut zu hören waren. Das Sanctus im beschwingten Dreiertakt und das lyrische Agnus Dei beschlossen die Messe mit einem leicht melancholischen Ausklang.
Publikum applaudiert spontan

Vor dem zweiten Konzertteil überraschte das Zanate-Trio mit latein-amerikanischen Liedern, die zwar keine Weihnachtslieder sind, aber thematisch hervorragend in diese Zeit des Jahres passen, in der die Menschen traditionell näher zusammenrücken.

Die „Navidad Nuestra“ ist eine kantatenartige Reihe von Liedern, in denen Ramírez jeder einzelnen Episode der Geburt Christi eine regionale Atmosphäre gibt. Hier kamen wieder andere Perkussionsinstrumente zum Einsatz und bei Los reyes magos durfte Pepe Zamorano auch mal eine Melodie pfeifen. Die Rollen wurden nun abwechslungsreich verteilt: Während in La annunciacion der Tenor eine Geschichte erzählte und der Chor nur begleitend und in einer Art Refrain einstimmte, wurde La peregrination die Geschichte der Pilgerfahrt vom Chor im wiegenden 6/8-Takt vortragen, sparsam begleitet von gebrochenen Akkorden in Klavier und Gitarre. Besonders andächtig gestalteten Chor und Solist Wittekind El nacimiento in einem dichten A-cappella-Satz, der nur einen zarten rhythmischen Impuls von der Maracas bekam.

In Los pastores erlebte man die Freude der Hirten, die sich offensichtlich rhythmisch bewegt und frohlockend auf den Weg zur Krippe machen. Im Publikum wurde wieder heftig gewippt und es gab anschließend spontanen Applaus. In elegischer Manier beschrieb La Huida die Flucht Marias mit dem Jesuskind nach Ägypten, der Chor beendete das Werk mit einem Ausklang im decrescendo.

Das Schwelmer Publikum, noch ganz verzaubert und beschwingt vom musikalischen Ausflug in die Ferne, applaudierte den Ausführenden mit stehend, so dass es noch zwei Zugaben gab. Es erklangen die beiden Sätze, bei denen alle abschließend nochmals mitwippen konnten.

Corinna Windhoff

Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/schwelm/so-klingt-weihnachten-in-suedamerika-id10148366.html


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