02.11.2010 Elias WR

Foto: Volker Speckenwirth



Kantorei, Orchester und Solisten gestalteten ein bewegendes Oratorium in der Christuskirche

Grandiose Aufführung des Elias

Schwelm, 01.11.2010, Dagmar Zschiesche

Schwelm. Eine derart mitreißend lebendige sakrale Aufführung hat die Schwelmer Christuskirche noch nicht erlebt. Kantorin Sabine Horstmann hat ihre Arbeit mit dem Kantatenchor im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 einem äußerst ehrgeizigen Projekt gewidmet: Die Kantorei wird sich frei im Altarraum bewegen, um das alttestamentarische Oratoriums „Elias“ von Mendelssohn szenisch aufzuführen. Die Kirche wird zum Schauplatz des dramatischen Geschehens. Am Sonntag erlebten die Konzertliebhaber die gelungene Einstudierung.

Gestalterische
Überzeugungskraft

Zögernd bevölkern bedrückte Gestalten die Szenerie. Aus der im düsteren Schweigen verharrenden Menge springt Elias hervor und verkündet energisch große Dürre. Das Volk reagiert mit ergreifender Wehklage. Sofort ist jeder im Kirchenschiff von der Anfangsszene ergriffen und steht die folgenden über zwei Stunden im Bann dieser Aufführung.

Äußerster Respekt gebührt der grandiosen Leistung der Kantorei und Kinder- und Jugendkantorei, die das gesamte Werk auswendig (!) parat hat. Hier wird nicht mehr am Notentext entlang musiziert, was eine höhere Qualität gewinnt, weil vom ersten Ton an das Ganze innerlich präsent ist. Klang und Ausdruck profitieren, Texte und Intonationen zeichnen sich durch natürliche Dynamik, Transparenz und gestalterische Überzeugungskraft aus.

Aus den Reihen der Kantorei auch zwei Soli, Valentina Lovisa als Knabe und Andreas Gilsbach als König Ahab.

Als professionelle Solisten warten auf: der Alt Sophia Bart mit vollem Timbre; stimmlich wie gestalterisch überzeugt der Sopran Sylvia Bleimund; wohltuend strahlt die zuversichtliche sehr schön textverständliche Tenorstimme von Björn Adam. Den Elias singt der junge wandelbare Bass Kai-Uwe Schöler mit baritonaler Strahlkraft und stärksten Momenten in den würdevollen Passagen. Kongenial und flexibel besorgt das Ristenpart Orchester seinen auf die Kantorei bestens eingestellten Part.

Bewundernswert die klangliche Balance über alle Akteure durch das Dirigat von Sabine Horstmann, vollendet ohrenfällig im Quartett mit Chor „Heilig, heilig“.

Für die tiefgreifende Wirkung des Ganzen steht maßgeblich der junge Regisseur Daniel Hackenberg, mit seiner kreativen Symbolik, seiner eindringlichen und eindeutigen Choreographie. Alle haben gelernt, sich professionell zu bewegen. Dass die Regie auch aktuellen Bezug nimmt, indem Elias nicht nur dem durch falsche Propheten verführbaren (Chor-)Volk sondern auch uns im Kirchenschiff den Spiegel vorhält, nur am Rande.

Am Ende gibt es für dieses spektakuläre Erlebnis großen Applaus und anhaltenden Jubel für Sabine Horstmann. Danke für eine nachhaltige Aufführung, die immer im Innersten aufleben wird, sobald irgendwo „Elias“ gespielt wird.


06.11.2010 Elias WAP
13.12.2009 Die Kantorei überzeugte wap

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