13.12.2009 Weihnachtskonzert der Kantorei WR

(WR Foto: Michael Scheuermann)

Weihnachtskonzert der Kantorei in Christuskirche

Raum von pompöser Grazie gefüllt

Schwelm, 16.12.2009, Matthias Nowakowski

Was ist eigentlich Größe? Groß scheint nur die Umgebung zu sein, in die sich die Kantorei der Christuskirche, inklusive der Kinder- und Jugendkantorei nur schwer einfügen lässt.

Schau- und Spielplatz des diesjährigen Weihnachtskonzerts ist die Christuskirche, die in ihrer massiven Bauart sich teilnahmslos um eine interessierte Zuhörerschaft auftürmt, darunter flimmern die Bögen und Triller des Ristenpart Kammerorchesters, und darüber ein riesiger Chor, der selbst in den Pausen selbstbewusst darüber schwebt und nur darauf wartet etwas zu liefern.

Dieses Etwas ist Musik und ist eigentlich so unbegrifflich, dass es schwer ist es in passende Worte zu fassen. Umso mehr ist man berührt von der Einheit aus Wort und Ton, das umgehend in ein Staunen versetzt, das sich aus Phasen von „Gänsehaut” aufbaut.

Geliefert wurde nun genau dieses Gefühl durch Weihnachts- und Adventsmusik, die in ihrer Klarheit etwas von der sehnlichen Erwartung und der Unschuld des kommenden Festes überträgt. Flankiert von barockem Standard im Gewand eines „Gloria” von Vivaldi und dem berühmten Weihnachtsteil des „Messias” von Händel, stellten sich die Kinder- und Jugendkantorei in den zeitlichen Mittelpunkt und den der Aufmerksamkeit.

Die Werke „Winters Cold” (Gerald Custer), „Peace” (Dave und Jean Perry) und „Der Stern zu Betlehem” (John Rutter) fanden sich in der amerikanischen Tonsatztradition wieder, deren gedanklicher Sprung nicht weit war zur Muical-Musik à la Disney und vielleicht gerade deshalb für und durch die junge Kantorei sehr greifbar wurde. In einem traumartigen Fluss befanden sich die Stimmen, die mit unschuldigen Klangfarben unter einem gestandenen Sopran zwischen einem Oben und einem Unten vermittelten, beziehungsweise den Weg dazwischen beschrieben.

In den dramaturgischen Pfeilern des Konzerts (Vivaldi und Händel) kam dann schließlich der gesamte Klangkörper zum Einsatz, der seinen Namen durch seine differenzierte Formung, besonders im glasklaren Sopran, verdient. Unter dem Dirigat von Sabine Horstmann wurde der gesamte Raum von einer typisch pompösen Grazie gefüllt. Horstmann forderte mit ausschweifenden Armbewegungen jeden Akzent, sie forderte mit offener Hand ein Versprechen, das umgehend eingelöst wurde.

Mit Spannen füllten auch die beiden Solistinnen Caterina Maier (Sopran) und Sophia Bart (Alt) den Raum mit Klang bis zur flachen Decke, der schließlich aufs Publikum, wie ein warmer Sommerregen herabregnete. Im „Messias” festigten die beiden ihre stimmlichen Charaktere. Bart profilierte sich besonders in den bedrohlichen Arien, während Maier mit sanfterer Intonation eine moderne Sanglichkeit in die Rezitative legte.

In diesem Konzert fand also die Größe in einer stetigen Füllung des Raumes, die sich in einer intensiven Spannung und Erwartung an den Chor bemerkbar machte. So wollte man ein Ganzes suchen, das sich im ekstatischen „Hallelujah” zum Schluss fand. Und entluden sich schließlich die vielen kleinen Komponenten in einem Staunen, das sich sogleich in stehenden Ovationen zeigte.


13.12.2009 Die Kantorei überzeugte wap
8.11.2009 Bewegende Requiem-Aufführung WR

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